Konzeption

KonzeptionPädagogikKünstlerisches TunPuppenspiel, Märchen, Finger- und KreisspieleJahreslauf, Feste und ReigenIntegrative, altersgemischte ErziehungVorschulkinderErnährung und ZubereitungDer MorgenkreisDas freie SpielMittagsruhe und GanztagesbetreuungNaturgruppe


 

Konzeption & Durchführung

Waldorfpädagogik in den ersten sieben Lebensjahren

Ich staune in die Welt und mache alles nach.

Jeder Eindruck, den ein Kind nach seiner Geburt durch seine Sinne wahrnimmt, wirkt auf die Ausbildung und Formung seiner physischen Organe. Es lernt in seinen ersten Lebensjahren nicht durch Belehrung und moralische Appelle, sondern durch das, was die Erwachsenen in seiner Umgebung tun, was es selbst tun darf, was sonst in seiner Umgebung stattfindet und wie sie ausgestaltet ist. Innere und äußere Bewegung formt durch die Sinneswahrnehmung des Kindes erst die inneren körperlichen Organe in ihrem Wachstum und in ihrer Funktion richtig aus. Im Spiel will das Kind aus seiner Phantasie heraus ergänzend die Dinge betrachten und sich betätigen. Es will die Welt mit allen Sinnen wirklich ?begreifen? und selbst in sich hineinarbeiten, denn alles Vorgefertigte gibt der Gehirnfunktionsbildung nichts zu tun und regt nicht zur Eigeninitiative an.

In unserem Waldorfkindergarten finden Sie deshalb:

Sinnvolles Vorbild im Tätigsein der Erzieher. Nichts soll geschehen in der Umgebung des Kindes, innerlich und äußerlich, was es nicht nachahmen darf. Das Kind darf selbst tun und mitmachen, sinnvolle Bewegungen üben und in Bewegung sein.

Liebe- und ehrfurchtsvoller Umgang mit den Kindern und untereinander als Grundhaltung der Erziehenden.
Sinnespflege und -anregung auf allen Ebenen des täglichen Lebens in rhythmischer Wiederholung.

Bewusst keine Medien und technische Gerätschaften, die dem Kind das eigene Erleben im Vorstellen, Denken, Urteilen, Fühlen und Tun abnehmen.

Nicht allgemeine Redensarten, wie etwa harmonische Ausbildung aller Kräfte und Anlagen und dergleichen, können die Grundlage einer echten Erziehungskunst sein, sondern nur auf einer wirklichen Erkenntnis der Menschenwesenheit kann eine solche aufgebaut werden.

Aus: Die Erziehung des Kindes vom Gesichtspunkte der Geisteswissenschaft – Vorträge von Rudolf Steiner

Wer in echter Menschen-Erkenntnis die kindliche Wesenheit auf dem Wege von dem Spiel zur Lebensarbeit belauschen kann, der erlauscht auf der Zwischenstation die Natur des Lehrens und Lernens. Denn beim Kinde ist das Spiel die ernste Offenbarung des inneren Dranges zur Tätigkeit, in welcher der Mensch sein wahres Dasein hat. Es ist eine leichtsinnige Redensart, zu sagen: die Kinder sollen ?spielend lernen?. Ein Pädagoge, der seine Tätigkeit danach einrichtete, würde nur Menschen erziehen, denen das Leben mehr oder weniger ein Spiel ist. – Es ist aber das Ideal der Erziehungs- und Unterrichtspraxis, in dem Kind den Sinn dafür zu wecken, dass es in demselben Ernste lernt, mit dem es spielt, so lange das Spielen der einzige seelische Inhalt des Lebens ist.?

Aus: Skizze eines Vortrages „Pädagogik und Kunst“ für die Künstlerisch-pädagogische Tagung der Waldorfschule, 25.-27.03.1923 von Rudolf Steiner

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Pädagogik

Es kann bei der Erziehung des kleinen Kindes nicht um Leistungen im Gedächtnis, um Gelerntes gehen, sondern nur um die Frage, was gesund und krank macht. Wir sehen heute zu viele unruhige, „allwissende“ Kinder, die nicht zuhören und nicht spielen können. Sie wollen unterhalten werden, suchen immer Neues, Besseres, Schnelleres.
Die Waldorfpädagogik möchte die eigentlichen Grundbedürfnisse des kleinen Kindes aufgreifen und ihm sein Recht auf Kindheit bewahren.
Rhythmische Wiederholung von Tages-, Wochen- und Jahresgeschehen, wie man es auch in der Familie findet, bildet das Grundgerüst, gibt Wärme, Geborgenheit, Sicherheit, Vertrauen und die Möglichkeit für das Kind, selbst aktiv mitzuarbeiten und sich kreativ zu betätigen. Das Vorbild der Erwachsenen regt an, führt in phantasievolles Freispiel und vermittelt innere Werte.
Einfachste Spielsachen, wie Holzständer, Tücher, selbstgesägte Klötze und Bretter, Zapfen und Steine, selbstgestrickte Tiere, einfache Knoten- und Stehpuppen, Wolle, Werkbank usw. bringen die Kinder zum Ursprung der Einfachheit zurück, die aber dadurch genügend Raum für Phantasie und Kreativität lässt. Geschichten, Fingerspiele, Lieder und Märchen geben den Kindern den Stoff für ihre Spiele. Auf diese Weise wird vieles ohne Belehrung und Aufforderung gelernt.
Kleine Kinder sind veranlagt, alles nachzuahmen, was sie im Zusammenleben mit den Erwachsenen wahrnehmen und miterleben können. Das Vorbild wirkt stärker als jede belehrende Mitteilung oder Erklärung. Auch eine liebevolle Beziehung zu anderen Menschen und zu Dingen, Heiterkeit und Lebensfreude, Pflege der Natur und der Umwelt wird nachgeahmt.
Nachahmung setzt vielfältige Sinneswahrnehmung voraus. Deshalb werden die Sinne und alle ihre Möglichkeiten im Waldorfkindergarten besonders sorgfältig gepflegt.Die Ausgestaltung der Räume schafft eine einfache, in Farben und Formen harmonische Atmosphäre. Verschiedenste künstlerische Tätigkeiten (Malen, Plastizieren mit Bienenwachs und Ton, Eurythmie, Musik, Finger- und Puppenspiel usw.) regen die schöpferischen Kräfte des Kindes an. Handwerkliche Geschicklichkeiten werden mit Holz, Wolle, Filz,u.a. Materialien erworben. Alle nötigen Haushaltstätigkeiten werden mit den Kindern gemeinsam gemacht, sodaß eine familiäre Stimmung entstehen kann. Gute Ernährung mit Vollwertkost gehört selbstverständlich dazu.
Der Garten ist erlebnisreicher Spielraum und vermittelt intensive Naturbeziehung zu jeder Jahreszeit und bei jedem Wetter.
Feste sind sehr wichtige Fixpunkte im Jahresablauf. Die Vorbereitung und die Vorfreude der Kinder sind ebenso wichtig wie das Fest selbst. Zum Feiern werden die Eltern gern eingeladen und genießen mit ihren Kindern unter anderem auch die Puppenspiele mit Seidenmarionetten, Wolletieren, Knüpf-oder Stehpuppen, die sich durch märchenhafte Geschichten bewegen.
Nicht nur bei Festen, sondern täglich wird gesungen und erzählt, sodaß das musikalische Element und die sprachliche Förderung gepflegt werden.
Die Eltern unterstützen den Kindergarten, helfen gerne mit und freuen sich über eine intensive Zusammenarbeit zwischen Kindergärtnerinnen und Elternhaus, die den Kindern zugute kommt.
So kann eine gesunde Basis für die Kinder geschaffen werden, auf der dann in der Schule aufgebaut werden kann.

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Künstlerisches Tun

Ich kann schon malen, kneten und tanzen.

Jede bewußte Handlung ist eine Handlung, die sowohl im Innern wie im Äußeren Ordnung schafft.

Mario Mantese

Wer sich selbst in einer künstlerischen Tätigkeit mit Phantasie und Kreativität auszudrücken lernt, hat viele Möglichkeiten, sich anderen und der Welt mitzuteilen. Das Ausleben in Farben und Formen beim Malen mit Wachsmalblöckchen, bei den älteren Kindern auch teilweise mit Stiften, sowie beim Aquarellmalen in der Naß-in-Naß-Technik löst seelische Blockaden und harmonisiert. Beim Kneten mit Wachs- oder Erdknete und bei der Kleinkind-Eurythmie wird ganz nebenbei die Koordination der Eigenbewegung und damit die Gehirnentwicklung angeregt. Die Eurythmie ist eine Bewegungskunst, in der im Kindergartenalter ganz kindgerecht Sprache und Musik in Gebärden und Bewegung sichtbar werden.

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Puppenspiel, Märchen, Finger- und Kreisspiele

Ich schau´ so gerne zu und mach´ so gerne mit.

Es war einmal, war nirgendwo oder bei uns, ja wo ist es denn nur geschehen… Es war einmal vor langer Zeit…

In Bilder einzutauchen ist eine Eigenschaft, die ganz zum Menschen und seinen Phantasiekräften gehört, die ihn innerlich ausfüllt und das eigene Erleben anregt. Im Puppenspiel schlüpft das Kind innerlich in die einzelnen Figuren und erlebt mit, was sie erleben. In Kreis- und Fingerspielen taucht es mit dem eigenen Tun in die Bilder ein. Es ist uns daher wichtig, daß wir Märchen, Erzählungen, Finger- und Kreisspiele, die wir für und mit den Kindern machen, durch wahre, sinnhafte Bilder ästhetisch und mit Freude vermitteln. Vor allem Sprache und Bewegung wirken hier auf die Kinder und ihre Sprach- und Bewegungsfähigkeit.

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Erleben des Jahreslaufs, Feste und Reigen

Feiern wir ein Fest mit Tanzen und Singen.

Sei weit und offen wie der Himmel, und du bist auf dem Weg.

Chan-Dshon

Den Jahreslauf und die christlichen Festeszeiten nehmen wir zum Anlaß für gemeinschaftliches Erleben. Viele Feste feiern wir mit allen Gruppen und gemeinsam mit den Eltern, wie z.B. das Sommerfest. Andere, wie die Geburtstage der Kinder, finden nur in der Kindergartengruppe statt. Die Kinder erfahren so immer wieder Höhepunkte im Alltäglichen, die ihnen auch die Verbindung von Elternhaus und Kindergarten als Lebenswelt vermitteln.

Das Miterleben des Menschen mit der Natur im Jahereslauf innerhalb der Jahreszeiten heben wir nicht nur durch Feste hervor. In einem mit Sprüchlein, Liedern und Bewegungsvorgängen gestalteten Reigen, der sich inhaltlich an der Jahreszeiten orientiert, vermitteln wir den Kindern dies auch im Gruppenalltag. Die Pflege der Leibessinne wird beim Mitmachen gefördert.

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Integrative und altersgemischte Erziehung

Du bist mein Freund, ich helfe Dir gerne.

Im leise bei sich sein, im Ängstchen, im weiß nicht, da liegt der Anfang der Welt.

Friederike Frey

Aus dem Erleben des Andersseins von anderen Menschen ergibt sich ein wunderbares Feld für uns alle, um Achtung und Anteilnahme, Selbstachtung, Wahrnehmung, Verantwortungsgefühl, soziale Kompetenz zu üben und auszubilden, ganz ohne erzieherische Vorgaben.

Jeder ist in der Gruppe willkommen mit allem, was er mit sich bringt.

Wie kann ich dem anderem helfen? Was können wir zusammen tun? Was kann ich von dem anderen lernen? Wie kommt jeder zu dem, was er braucht, auch wenn er vielleicht warten und Rücksicht nehmen muss? Sind wir nicht alle ?besonders? und manchmal komisch und eigen und immer wieder auf Unterstützung durch andere angewiesen? Wenn alle etwas lernen können, vielleicht kann ich es dann ja auch?

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Umgang mit den Vorschulkindern

Bald komme ich in die Schule.

Nichts kann einen Menschen mehr stärken, als das Vertrauen, das man ihm entgegenbringt.

Verfasser unbekannt

Wer bald in die Schule kommen will, darf auch schon zeigen, was er kann. Durch besondere Arbeiten wie Stricken, Spinnen, Flechten und Weben, Puppennähen, Häusle-Bauen und malen in ein Heft erproben die Großen, was schon in ihnen steckt. Geduld, Ausdauer, eigene Gestaltungsfähigkeit und längeres Stillsitzen werden dabei geübt. Den Erwachsenen dürfen sie mehr helfen, die Kleinen unterstützen und ihnen als Vorbild sein.

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Ernährung und Essenszubereitung

Mir schmeckt es im Kindergarten.

Erde, die uns dies gebracht, Sonne, die es reif gemacht, liebe Sonne, liebe Erde, Euer nie vergessen werde.

Christian Morgenstern

Ein wichtiger Bestandteil im Waldorfkindergarten ist das Essen. Täglich wird in wöchentlich gleicher Folge ein anderes gemeinsames Frühstück zubereitet und miteinander mit Zeit und in Ruhe eingenommen. Die Zutaten sind möglichst aus biologischem Anbau, auf eine gesunde Ernährungsweise ausgerichtet und werden schmackhaft und lecker zubereitet. Die Kinder helfen bei der Zubereitung, es wird eifrig geschnitten, gerührt, gemischt, gekocht und gebacken. Auch beim Tischdecken werden die Kinder mit einbezogen. Das Händewaschen, der Tischspruch, das Abräumen, Spülen und Abtrocknen gehören dazu. Durch gemeinsame Rituale entsteht Freude am Essen.

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Der Morgenkreis

Es sind die Begegnungen mit Menschen, die das Leben liebenswert machen.

Guy de Maupassant

In einem kurzen Zusammenfinden im Morgenkreis kommen alle zur Ruhe und nehmen sich als Gruppe wahr. Mit einem gemeinsamen Spruch begrüßen wir uns. Wer ist heute da, wer ist krank, wie geht es uns allen? Was haben wir mitzuteilen? Wir singen zusammen ein Lied, machen ein kleines gemeinsames Spiel oder ähnliches.

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Das freie Spiel

Ich darf tun und erleben, was ich will und mit wem ich will.

Freies Spiel ist die Haupttätigkeit von Kindern in den Lebensjahren vor der Einschulung. Es kann überall, drinnen und draußen stattfinden. Im freien Spiel wird die Welt erfahren und handfest begriffen, die Dinge werden ausprobiert, den eigenen Intentionen untergeordnet, ihre Handhabung erfahren. Es werden Kontakte geknüpft, soziales Miteinander ausgelebt und erprobt, Erlebtes verarbeitet. Das Kind übt seine Bewegungsfähigkeit und -koordination, seine Grob- und Feinmotorik im Umgang mit den Dingen und anderen Lebewesen, entwickelt Kreativität, Phantasie und soziale Kompetenz. Dies in freier Weise tun zu dürfen, ist die Grundvoraussetzung für die Entwicklung seiner Intelligenz und Lebensfreude. Damit dies möglich wird, darf bei uns mit vielen naturbelassenen, unfertigen Materialien und Gegenständen gespielt werden, aus denen alles mögliche gestaltet werden kann. Die Erzieher sind eigentätig und wahrnehmend anwesend und mischen sich nur bei schwierigen Situationen oder unlösbaren Konflikten in das Spiel der Kinder ein.

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Mittagsruhe und Ganztagsbetreuung

Ich darf noch dableiben.

Jedes Kind braucht seinen Fähigkeiten entsprechend angemessenen Raum.
allerdings immer groß genug, den nächsten Entwicklungsschritt zuzulassen.

Emmi Pikler

Den ganzen Tag im Kindergarten zu sein, fordert viel Kraft von Kindern. So ist es sehr wichtig, dass der Kindergarten die Atmosphäre eines zweiten ?Zuhause? gibt und am Nachmittag eher einen familiären Charakter annimmt. Mit dem Mittagessen beginnt die Nachmittagsgestaltung der Tageskinder, zu denen auch Hortkinder gehören können. Es wird gemeinsam eingenommen. Wir legen auch hier Wert auf Rituale, wie das Tischgebet und auf einen achtungsvollen Umgang mit der Nahrung und untereinander. Danach machen die Kleinen ihren Mittagsschlaf, in den sie samt Kuscheltier liebevoll begleitet werden. Der Nachmittag bis zur Abholzeit wird mit gemeinsamen Unternehmungen und Spiel gestaltet.

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Naturgruppe Bachtal

„Im Wald und auf der Heide, da such´ ich meine Freude.

In den Wäldern sind Dinge, über die nachzudenken, man jahrelang im Moos liegen könnte.“
Franz Kafka

Was vielen Kindern heute fehlt in unserem durchorganisierten und technisierten Erwachsenenleben, und was sie uns oft in Verhaltensauffälligkeiten und Bewegungsunruhe zeigen, war uns Motivation, eine Naturkindergartengruppe am Waldrand einzurichten und anzubieten.

Bewegung, Licht und Luft, der ursprüngliche Zugang zur Natur, zu Erde, Wasser, Wind und Wetter, zur Pflanzen- und Tierwelt, einfache Vorgänge, die den Menschen mit der Natur verbinden, wie z.B. das Feuermachen, können hier hautnah, elementar und beziehungsschaffend ausgeführt und erlebt werden.

Am morgen wandern wir vom Kindergarten aus gemeinsam in unseren Gruppenraum inmitten von Feld und Wiese, am Mittag wieder zurück. Im Winter heizen wir unseren Holzofen, im Sommer tummeln wir uns viel im Freien. Einmal pro Woche gehen wir in den Wald.

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